Freiwillige Feuerwehr Leonberg
Notruf per Telefon
Notruf

Der richtige Notruf beinhaltet:
  • Was ist passiert?
  • Wo ist es passiert?
  • Wer meldet?
  • Wie viele Verletzte?
  • Warten auf Rückfragen!

112, oder der heiße Draht zur Feuerwehr

Dichter schwarzer Rauch tritt kontinuierlich unter den roten Tonziegeln eines Fachwerkhauses hervor. Solche alten Häuser gibt es zu Hunderten in Leonberg. Ein Feuer schwelt. Auf der Straße hat sich schon eine Menschentraube gebildet, die das Szenario kritisch beäugt. Einer der Passanten zieht sein Mobiltelefon aus der Tasche und wählt den Notruf: 112. Im Volksmund heißt es ja: "Schnell wie die Feuerwehr", aber was für ein präzises Räderwerk wird denn in Gang gesetzt bei so einem Notuf ?

Der Augenzeuge wurde durch die Wahl der Notrufnummer mit der nächstgelegenen Rettungsleitstelle, für Leonberg ist es die Leitstelle in Böblingen, verbunden. Dort laufen alle Notrufe von Feuerwehr und Rettungsdienst des Landkreises Böblingen zentral zusammen. "Notruf Feuerwehr" meldet sich der Disponent am anderen Ende der Leitung mit sachlicher, ruhiger Stimme: Wo genau brennt es?
Können Sie mir die Straße sagen?
...
Es handelt sich um ein Mehrfamilienhaus?
...
Können Sie sagen, ob sich noch Personen im Gebäude befinden?
...
Bleiben Sie ruhig, Hilfe ist unterwegs!

Der Disponent läßt sich auf seinem Bildschirm den Alarmplan für Leonberg ausgeben: "Brand Innerorts - Alarmstufe 3" wählt er am Einsatzleitrechner aus. Auf diesem Computer ist für jede Art von Notfall hinterlegt, welche Einheiten zu alarmieren sind. Noch während des Anrufes, sobald der Disponent alle für die Alarmierung relevanten Informationen gesammelt hat, bestätigt er die Alarmierung.

Durch die Bestätigung des Computervorschlags durch den Disponenten werden die Leonberger Feuerwehrleute über ihre tragbaren Funkmeldeempfänger alarmiert und die ehrenamtlichen Retter wissen: Jemand in Leonberg braucht ihre Hilfe. Überall hat die Leonberger Floriansjünger der Ruf erreicht: Gerade waren sie noch als Metzger, Fabrikarbeiter, Bankkaufleute, Ingenieure, Schneider, Schlosser, Landwirte, Winzer, Zimmerleute bei der Arbeit oder schon im Feierabend. Und nun spurten sie zum Ausgang, in den PKW, aufs Fahrrad um so schnell wie möglich zur Feuerwache zu eilen.


Leonberg wird durch eine Freiwillige Feuerwehr geschützt. Lediglich fünf Kameraden sind hauptamtliche Kräfte, die sich während ihrer Arbeitszeit um die Fahrzeuge, die Atemschutzgeräte, die Schläuche und die übrigen Gerätschaften der Feuerwehr kümmern. Alle anderen Feuerwehrleute haben einen anderen Beruf und verlassen bei einer Alarmierung ihre Arbeitsplätze oder nachts die Betten um zur Feuerwehr zu eilen.


Noch vor wenigen Augenblicken lag das Feuerwehrgerätehaus in Leonberg noch ruhig in der Nachmittagsdämmerung. Jetzt öffnen sich beim Empfang des Alarms automatisch 2 Tore der Fahrzeughalle um den heraneilenden Einsatzkräften, die nun von allen Himmelsrichtungen auf das Gerätehaus zueilen, den schnellen Zugang zu Ihren Spinden zu ermöglichen. Dort bewahrt jeder Feuerwehrangehörige seine persönliche Schutzausrüstung bestehend aus Feuerwehrhelm, Einsatzhose, Sicherheitsschuhwerk, Einsatzjacke, Flammschutzhaube und Feuerwehr-Haltegurt auf. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit die Frauen und Männer hier ankommen, ihre Ausrüstung legen sie in Sekundenschnelle an. Jeder hat die Hose über die Stiefel gestülpt, so dass er nur noch in die Schuhe schlüpfen muss und die Feuerwehrhose über seine normale Hose ziehen kann. Das spart einige Sekunden, vielleicht die entscheidenden.


Ein Zentralist besetzt die Funkzentrale, das Herzstück der Feuerwache. "Leitstelle Böblingen von Florian Leonberg, kommen!" ruft der Feuerwehrmann die Leitstelle über den feuerwehreigenen Funkkanal. Die Leitstelle gibt ihm jetzt den Einsatzauftrag: "Dachstuhlbrand, xy-straße 15 in Leonberg. Es ist nicht bekannt ob sich noch Personen im Gebäude befinden, kommen." "Dachstuhlbrand, xy-straße 15, nicht bekannt, ob noch Personen im Gebäude sind. Florian Leonberg hat verstanden!" Durch die Wiederholung der Alarmmeldung weiß der Disponent in der Leitstelle, dass seine Meldung ordnungsgemäß empfangen und verstanden wurde. Durch die Alarm- und Ausrückeordnung der Feuerwehr Leonberg ist festgelegt, welche Fahrzeuge bei welchen Alarmstichworten und in welche Reihenfolge ausrücken. Der Zentralist gibt die von der Leitstelle erhaltenen Informationen an den Gruppenführer des ersten Löschfahrzeugs weiter, der bis zum Eintreffen des Zugführers der Einsatzleiter sein wird. Vor Ort wird er sich selbst ein Bild von der Lage machen können, in der Zwischenzeit müssen die Informationen reichen, die der Anrufer bei seinem Notruf gegeben hat.


Die Feuerwehrleute eilen zum Löschfahrzeug, ein Druck auf den Toröffner und das Rolltor öffnet sich. Mit einem lauten "Plob" kuppelt der Maschinist die Druckluftleitung des LKW ab, die diesen ständig mit Bremsdruck versorgt. Auch das Elektrokabel der Batterieladeerhaltung schnellt im Kabelaufroller Richtung Decke. Der LKW-Diesel startet mit dumpfem Grollen. Blaues Blitzlicht zuckt durch die Fahrzeughalle. Sobald alle Plätze im Fahrzeug besetzt sind, gibt der Gruppenführer dem Maschinisten das OK, loszufahren. Er gibt Gas und der 12-Tonnen-LKW bahnt sich seinen Weg durch den dichten Feierabendverkehr. Kurz nach dem Verlassen der Fahrzeughalle ertönt das Tatü-Tata des Starktonhorns, das den Rettungskräften Sonder- und Wegerechte auf ihrer Alarmfahrt einräumt. Zusammen mit dem Blaulicht bedeutet es allen anderen Verkehrsteilnehmern, sofort freie Bahn für die Feuerwehr zu schaffen.


Während der Fahrt zum Brandort herrscht im Mannschaftsraum geschäftiges Treiben. Der Gruppenführer gibt die ihm bekannten Informationen an seine Mannschaft weiter. Wenn neue Informationen vorliegen, bekommt er die jetzt über Funk von der Leitstelle oder der Zentrale in der Feuerwache. Bei Brandeinsätzen rüstet sich der Angriffstrupp mit Atemschutzgeräten aus. Die Atemanschlüsse müssen perfekt sitzen, ein Fehler und die Retter würden sich selbst den toxischen Atemgiften aussetzen. Deshalb kontrollieren sie sich nochmals gegenseitig. Zusätzlich kommen noch eine Brandschutzhaube um eventuell Eingeschlossene schnell retten zu können, sowie ein Handscheinwerfer, ein Funkgerät und die Feuerwehr-Halteleine. So kommen locker über 20 kg an Ausrüstung zusammen. Im Fahrzeug hat jeder Feuerwehrangehörige, durch den Platz auf dem er sitzt, seine Funktion und weiss nun, was er beim Ankommen zu tun hat.

Noch einmal wirbelt das Lenkrad herum und das Fahrzeug biegt in die Straße ein, in der es brennt. Eine Fahrzeuglänge nach dem Brandobjekt bleibt es stehen, um für die nachfolgende Drehleiter Platz zu lassen. Wenige Augenblicke später verschwindet der erste Trupp im pechschwarzen Rauch. Freiwillig, natürlich.